Hallo Menschheit,
wir schreiben das Jahr 2011 ... naja mehr oder weniger, denn, ja es ist mal wieder soweit. Das Ende dieses Jahres, welches eben noch geschrieben stand, steht an. Die Iden des März sowie alle anderen Iden von Zwo-Elf sind längst Geschichte. Die letzten Tage sind sozusagen gezählt. Das bedeutet macht euch bereit für den finalen Knall, das letzte so unglaublich wichtige Fest des Jahres. Macht euch bereit für Silvester oder in cool: "Sylvester."
Ich möchte in dieser Festivität etwas ähnlich wichtiges wie Fasching sehen. Wobei ganz sicher bin ich mir nicht ob Sylvester wirklich nur fast so wichtig, genauso wichtig oder eventuell sogar noch wichtiger ist. Das soll bitte jeder für sich selbst entscheiden. Schließlich leben wir in einem Land, in welchem Entscheidungsfreiheit an der Tagesprdnung steht. Kollektiv haben wir uns entschieden, dass Rauchen scheiße ist und wir daher alle Raucher ins Exil verbannen. Die Entscheidung, dass wir halbfertige Menschen, welche acht Jahre ein Gymnasium besucht haben, direkt in die Welt entlassen, haben wir getroffen. Wunderbare Entscheidungsfreiheit.
Eben diese Freiheit gibt es ja nun schon eine ganze Weile. Sie ist verantwortlich dafür, dass Jahr für Jahr Millionen von Menschen nichts besseres zu tun haben, als ihr Geld, welches sie von Oma, Opa und anderen wohltätigen Menschen zu Weihnachten bekommen, postwendent in Güter investieren, die man unbedingt und unter allen Umständen an Sylvester benötigt. Mir ist natürlich bewusst, dass man seit jeher von seiner Familie, der Gemeindeverwaltung, dem Land- und Bundestag, der UNO und von Gott, Allah und Buddah dazu angehalten ist sich am Ende eines Jahres mit Bleigießen, Pyrotechnik und - besonders essentiell - Unmengen an Alkoholika einzudecken. Sowas nenn ich mal ne Tradition - Toll!
Einfach klasse dieses Sylvester.
Da trifft man sich gegen Abend mit Freunden, der Familie oder manchmal sogar mit einer Mischung aus beidem und beginnt erstmal ganz dezent mit einem Eröffnungsschnäpschen. Ganz traditionell.
Oft wird dann schon das Essen gereicht, was ja bei sehr vielen mittlerweile einfach nur aus einer wilden Zusammenstellung aus "Fingerfood" besteht.
...Fingerfood ..., früher gab es in diesem Sektor ja noch sowas wie Stil, da wurde das noch als Hors d’œuvre bezeichnet. Wobei jeder halbwegs intelligente Mensch wissen sollte, dass das eigentlich nicht stimmt, da es sich bei Hors d’œuvre um eine, wie der Name eventuell vermuten lässt, französische Vorspeise handelt. Fingerfood geht eher in die Richtung "vollwertige" Mahlzeit, auch wenn die Übergänge hier durchaus fließend sein können. Doch wir wollen unsere kostbare Zeit hier nicht mit Erbsenzählerei verplempern, sondern zurück zum Thema kommen.
Sylvester, Essen, Fingerfood und in vielen Haushalten auch Raclette oder Fondue. Dazu wird oft Bier oder Wein gereicht um zum einen die Kehle zu ölen und zum anderen um der Tradition gerecht zu werden. Vor, während und/oder nach dem Essen wird dann in gemütlicher Runde zu "Dinner for One" angestoßen. Mensch, was ist das witzig, wenn Freddie Frinton zu jeder halben Stunde mehrfach über den Tigerkopf stolpert. Gelacht wird aus Tradition und natürlich, weil der Alkohol uns mittlerweile in eine leicht gelöste Stimmung versetzt hat. Bis es das nächste Mal heißt: "The same procedure as last year", sollte man schnell das Bleigießen über die Bühne bringen. Hach ja, Bleigiesen, stets erheiternd und überraschend. Vor allem ist überraschend, dass so ziemlich jeder einen Aal, eine Schlange oder ein anderes langes, seltsames Bleidingsbums "herstellt". Fix auf die beiliegende Karte geschaut um zu sehen was die Zukunft uns bringen mag. Und oh Wunder, es ist Geld, Gesundheit, Glück oder dunkle Stunden voller Trauer, Schmerz und Leid. Klasse! Da meistens nur einer das Blei gießt, kann der Rest sich damit beschäftigen schonmal für den eigenen Versuch zu üben und sich selbst etwas hinter die Binde zu gießen.
Bleigießen vorbei, was nun? Vielleicht nochmal "Dinner for One", ne Runde Port und etwas von diesem urkomischen Tischfeuerwerk um sich auf Mitternacht einzustimmen. Tischfeuerwerk. Es muss ein Genie gewesen sein, wer auch immer diese Erfindung machte. Feuerwerk für die Wohnung. Eine Klorolle mit Zündschnur. Ein Plastikdeckel hindert die lustigen kleinen Sächelchen vorm herausfallen - aber nur bis die Zündschnur abbrennt. Alle halten sich die Ohren zu und es gibt ein ganz leises "Plopp", der Deckel springt ab und wir erfreuen uns an den sieben Konffettis, der halben Luftschlage und dem angekokelten Plastikwürfel. Da das so unfassabr lustig ist zünden wir sofort ein weiteres Tischfeuerwerk. Gott sei Dank sind in diesen Packungen immer mindestens vier drin. Nicht auszudenken, wenn dieser Spaß schon nach einem Mal vorrüber wäre.
Es ist nun bereits 23:35 Uhr und man sollte nach draußen gehen. Es ist ja durchaus denkbar, dass alle Uhren im Haus kaputt sind und man will ja nicht den Jahreswechsel verpassen. Alle packen ihre Tüten, Rucksäcke und Taschen und wandern nach draußen.
Man sucht sich ein lauschiges Plätzchen, wo man sein Feuerwerk gediegen abbrennen kann. Dann wird ausgepackt. Drei Packungen D-Böller à 200 Stück, zwei Packungen Böller bunt gemischt, drei große und vier kleine Vulkane bzw. Leuchtbatterien, eine Packung bunt gemischt von allem, vier große Packungen Raketen und einmal Wunderkerzen für die Damen. Daneben stehen die sechs Flaschen Sekt und zweimal Jack Daniel's Tennessee "Komm-wir-kippen-den-ganzen-Abfall-in-ein-Fass-und-nennen-es-Wiskey".
10. 9. 8. 7. 6. 5. 4. 3. 2. 1. ...
Es knallt, es scheppert, es pfeift und raucht. Hier und dort hört man lautes schreien und johlen. Es wird klirrend angestoßen. Die Leute lachen. Die Luft ist erfüllt von bunten Explosionen, von glitzernden Kasskaden aus Licht. Es duftet nach verbranntem Schwarzpulver und angesengten Mänteln. Wildfremde Menschen fallen sich um den Hals um sich gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen.
Ein bis zwei Stunden später ist dieses Großereignis dann leider wieder vorbei, doch nicht ohne vorher seine eigenen guten Vorsätze für das kommende Jahr lauthals in die Welt hinein zu posaunen. Der Nachbar lallt einem, mit der Zigarre im Mund, die Ohren voll, dass er aufhören würde zu rauchen. Die fette Studentin von gegenüber schwört sich fortan gesund zu ernähren und dreimal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen. Der bekannterweise notorische Bordellbesucher, der eine Straße weiter wohnt, gibt sein Vorhaben bekannt nicht mehr soviele "Überstunden" zu schieben, sondern mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Eine gute Idee, das mit den Vorsätzen.
Schade nur, dass 2012 die Welt untergehen wird und ihr nicht vorher angefangen habt gute Vorsätze zu machen, z.B. letztes Sylvester oder vorletzes.
Wie dem auch sei:
Guten Rutsch!
Anbei noch ein besonderes Schmankerl für alle faulen Leute oder diejenigen, welche nicht über genug Sehkraft verfügen...
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